Die Artikel unter “Weblog” geben meine persönliche Meinung wieder. Und, auch wenn es eigentlich selbstverständlich ist, der Hinweis an meine Schüler: Es wirkt sich nicht positiv auf eure Noten aus, wenn ihr im Unterricht dieselbe Meinung vertretet. Bitte betrachtet diese Seite mit derselben kritischen Distanz, die auch bei anderen Blogs angebracht ist.

Sehr geehrter Herr Heveling…

Dieser offene Brief wird gleichzeitig mit der Veröffentlichung im Blog auch per Post an die Berliner Büroadresse von Ansgar Heveling versendet.

Sehr geehrter Herr Heveling,

nachdem sich die Wogen um Ihren Gastkommentar im Handelsblatt wieder geglättet haben und weil Sie auch den Wunsch nach einer „offenen Diskussion im Netz“  geäußert hatten, möchte ich dies gerne aufgreifen und die Debatte auf einer sachlichen Ebene mit Ihnen weiterführen. Denn auch wenn die Aufregung über Ihre Aussagen schon wieder verfolgen ist, sind die Probleme, die unser Urheberrecht mit sich bringt, nach wie vor virulent.

Erlauben Sie mir, mich kurz vorzustellen: Mein Name ist Hannes Griepentrog, ich bin Mitglied der CDU in der Stadt Esslingen a. N. und – neben anderen Ämtern – Pressereferent und medienpolitischer Sprecher der Jungen Union Nordwürttemberg. Insbesondere in dieser Funktion setze ich mich auch innerhalb der CDU für eine moderne Medienpolitik und insbesondere für eine moderne Netzpolitik ein.

Zu dieser gehört für mich auch eine Modernisierung des Urheberrechts, die ich für dringend nötig halte. Der gewichtigste Grund dafür ist, dass die Digitalisierung – nicht nur für diejenigen, die Sie als „digital natives“ bezeichnen – dazu geführt hat, dass die Trennung zwischen Privatem und Öffentlichem verschwimmt. Dies führt zunächst dazu, dass das, was uns bisher selbstverständlich war durch die geänderten Rahmenbedingungen zum Gesetzesverstoß wird.

Stellen Sie sich vor, Sie laden Freunde zu einem Diaabend ein, zeigen Urlaubsfotos, im Hintergrund läuft Musik auf Ihrer Stereo-Anlage. Das ist eine rein private Veranstaltung und soweit völlig unproblematisch. Möchten Sie dasselbe Erlebnis nun aber denjenigen gönnen, die Sie nicht persönlich zu sich nach Hause einladen können und kommen etwa auf die Idee, Bilder und Musik bei YouTube hochzuladen, begehen Sie, wenn die Musik nicht lizenziert wurde, eine Urheberrechtsverletzung. Das ist rechtlich eindeutig (und mit ein wenig Fachwissen auch nachvollziehbar); schon das entspricht aber nicht dem Gefühl der Bürger, dass sie ja eigentlich nichts anderes tun als davor, nur dass sie jetzt eben die Möglichkeiten des Internets nutzen.

Fall 2: Eine Schulband spielt einen Titel nach, dessen Urheber noch keine 70 Jahre verstorben ist – das geht unter Umständen gerade noch. Ein Elternteil zeichnet das Ganze mit der Videokamera auf und stellt einen kurzen Ausschnitt ins Internet – schon wieder hat er die legalen Möglichkeiten überschritten. Dabei ist durch diese Aufführung mit Sicherheit keinem Künstler ein Gewinn entgangen. Eine angemessene Fair-Use-Regelung könnte hier einen Ausgleich zwischen den Rechteinhabern und – in diesem Falle – den Eltern schaffen, die eigentlich nur zeigen wollen, wie gut ihre Kinder mit Musikinstrumenten umgehen können.

Dabei liegt die Schwierigkeit nicht nur darin, dass die aktuellen Regelungen nicht nur dem Rechtsempfinden vieler Bürger widersprechen und von den technischen Entwicklungen überholt wurden. Vor allem sind sie für eine Welt, in der nicht mehr zwischen den Urhebern auf der einen und den Konsumenten auf der anderen Seite unterschieden werden kann, zu kompliziert, um von jedem Urheber verstanden zu werden. Früher konnten nur die großen Anbieter Filme produzieren. Heute kann es theoretisch jeder – was in meinen Augen ein großer Gewinn ist – nur die eigene Rechtsabteilung, die man dafür nach wie vor haben sollte, die haben eben weiterhin nur die „Großen“. Und das ist ein Problem.

Nächstes Beispiel: Nun ist so ein Video bereits auf eine Videoplattform wie YouTube gestellt, die die einfache und oft genutzte Möglichkeit bietet, das Video auf einer externen Seite einzubetten. Als unbefangener Nutzer kommt man kaum auf die Idee, hier irgendetwas verbotenes zu machen – schließlich ist YouTube ein seriöser Anbieter und das Video ist (im Gegensatz zu anderen) nicht gesperrt oder vom Einbetten ausgeschlossen. Leider gilt auch hier: Manche Gerichte sehen das eben anders – und Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Rechtlich ist auch das alles irgendwie nachvollziehbar, aber es sorgt eben dafür, dass Medienerziehung in Deutschland eigentlich nur aus dem Satz „Lasst die Finger von dem Zeug, wenn ihr keinen Rechtsstreit wollt!“ bestehen kann. Und das ist mir zu wenig, denn so wird Deutschland auch von den positiven Entwicklungen, die das Netz mit sich bringt, ausgeschlossen.

Völlig absurd wird es in meinen Augen, wenn auch die kleinen, gerade einmal 90 Pixel breiten Vorschaubildchen, die Facebook bei jedem eingestellten Link automatisch generiert, einen Verstoß gegen das Urheberrecht darstellen. Ja, auch der Link, den Sie am 17.02. öffentlich auf Ihre Facebook-Seite gestellt haben, kann als Urheberrechtsverletzung gewertet werden. Dabei ist das Verlinken (mit kurzen Zitaten) das grundlegende Prinzip des World Wide Webs. Warum schließt das Zitatrecht aber keine kleinen Versionen von Bildern ein? Auch das könnte – und sollte – unter eine Fair-Use-Regelung fallen.

Von anderen Problemen habe ich hier noch gar nicht angefangen – etwa der Tatsache, dass selbst „verwaiste Werke“, an denen so oder so niemand mehr einen Pfennig verdient, nicht einfach freigegeben werden können.

Was soll also die Lösung für die Zukunft sein? Sie möchten, so scheint es, das bisherige Urheberrecht beibehalten. Das führt aber dazu, dass nicht nur die „digital natives“, denen Sie unlängst den Krieg erklärt haben, sondern fast alle Nutzer des Internets kriminalisiert werden. Und das kann nicht die beste Lösung für die Zukunft unseres Landes sein.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich befürworte durchaus eine konservative Netzpolitik, die nicht das ganze Urheberrecht über den Haufen werfen und alle bestehenden Strukturen infrage stellen will, sondern nach behutsamen Anpassungen sucht. Aber die Kriminalisierung einer Bevölkerungsmehrheit ist in meinen Augen dennoch nicht der richtige Weg.

Ich möchte Sie daher direkt fragen:

  • Wie stellen Sie sich eine Weiterentwicklung des Urheberrechts vor, die die Tatsache zur Kenntnis nimmt, dass die Trennung zwischen Urheber und Konsument verschwindet?
  • Würden Sie es bevorzugen, wenn das Urheberrecht so ausgestaltet wäre, dass nicht jeder Facebook-Nutzer „automatisch“ Urheberrechtsverletzungen begeht – und wie könnte das konkret aussehen?
  • Wie stellen Sie sich den zukünftigen Umgang mit verwaisten Werken vor?

Hinzu kommt: Man kann dazu verschiedene Meinungen haben und es gibt sicherlich auch Gründe dafür, das Urheberrecht in seiner bisherigen Form zu belassen – auch wenn diese in meiner persönlichen Abwägung bei weitem nicht überwiegen. In jedem Fall müssen wir diese Diskussion in der Partei offen führen. Was Sie getan haben und jetzt als Anstoß einer solchen Diskussion verstanden wissen wollen, war jedoch in meinen Augen das glatte Gegenteil. Wenn Sie die „digital natives“ einerseits den „realen Menschen“ andererseits gegenüberstellen, implizieren Sie damit, dass erstere irgendwie nicht „real“ seien.

Verzeihen Sie, wenn ich so direkt nachfrage:

  • Bin ich als jemand, der gute elf Jahre jünger ist als Sie und in den Neunzigern quasi gemeinsam mit dem WWW groß geworden ist, für Sie weniger real?
  • Sind Menschen, die mehr Zeit vor dem Rechner als vor Tageszeitung und Fernseher verbringen für Sie weniger wert als Menschen, die „aus einem gebundenen Buch zitieren“?
  • Und wenn nicht: Was verleitet Sie dann zu einer solchen Formulierung?

Auf die weiteren sprachlichen Verworrenheiten Ihres Kommentars möchte ich an dieser Stelle gar nicht näher eingehen: Mit dem „Endkampf um Mittelerde“ und „digitalem Blutvergießen“ verwenden Sie jedenfalls Metaphern, die selbst ich als studierter Germanist nicht aufzulösen imstande bin. Auch am Verständnis des „imaginären Lebensgefühls einer verlorenen Generation“ bin ich, das möchte ich ehrlich zugeben, gescheitert. Wohl möchte ich aber darauf eingehen, dass Sie sich durch die Reaktionen auf Ihren Kommentar in Ihren Thesen bestätigt fühlen.

Sie schreiben, wer sich kritisch äußere, erlebe „Aggression statt Argumentation“. Das mag in manchen Fällen auch stimmen. Ihr Beispiel taugt allerdings keineswegs als Beweis dafür. Übertragen wir das mal in die von Ihnen so geschätzte „reale“ Welt: Wenn Sie einem Mitbürger auf der Straße ins Gesicht spucken, kann es Ihnen passieren, dass dieser darauf mit körperlicher Aggression statt mit Argumentation reagiert. Das entspricht dann auch durchaus nicht dem rechtsstaatlichen Verfahren und Sie können – etwa mit einer Anzeige wegen Körperverletzung – diese Überreaktion Ihrerseits sanktionieren lassen. Dennoch werden Sie vermutlich Kopfschütteln ernten, wenn Sie die Reaktion als Beleg dafür anführen, dass das Ins-Gesicht-Spucken berechtigt war: Sie verwechseln dann Ursache und Wirkung und verkennen Ihre eigene Rolle bei der Auseinandersetzung.

Und, seien wir einmal ehrlich, in Ihrem Artikel haben Sie nichts anderes getan, als denjenigen, die Sie als „Nicht-reale“ Menschen bezeichnen – einschließlich zahlreicher Netzaktiver in unserer eigenen Partei – verbal ins Gesicht zu spucken. Man kann die Schärfe der Reaktion kritisieren, aber man muss sich nicht wirklich darüber wundern.

Mit einer inhaltlichen Analyse Ihres Kommentars habe ich dagegen Schwierigkeiten. Denn Ihre These lautet ja – so scheint es jedenfalls zu Beginn – dass die Gesetzgebungsvorhaben SOPA und PIPA zu unterstützen seien. An keiner Stelle gehen Sie aber darauf ein, was SOPA und PIPA überhaupt bedeutet, warum genau diese Vorhaben Probleme lösen sollen und warum die Probleme, die die Gesetzesentwürfe selbst nach sich ziehen, nicht relevant seien. Allenfalls kann man herauslesen, dass Sie das Urheberrecht irgendwie gut finden – nämlich als „Motor für Innovation und Entwicklung auf dem europäischen Kontinent“ im 19. und 20. Jahrhundert. Kein Wort darüber, in welcher Form es heute an seine Grenzen stößt – einige habe ich weiter oben ausgeführt – kein Wort darüber, warum es dennoch die richtige Antwort sein soll. Stattdessen reihen Sie Ihre Gedanken so frei aneinander, wie man es sonst nur aus dem Assoziations-Blaster oder der Kolumne von Franz Josef Wagner kennt.

Auch hierzu habe ich also noch einmal konkrete Fragen:

  • Halten Sie die Privatisierung der Rechtsdurchsetzung, die mit SOPA und PIPA angedacht war, tatsächlich für legitim, geeignet, erforderlich und angemessen?
  • Inwiefern haben Sie bei Ihrer Positionierung die Interessen von Rechteinhabern und Nutzern gegeneinander abgewogen und was war ausschlaggebend dafür, dass die letzteren offenbar überwogen?

Ich weiß noch nicht, ob ich Ihren Text eher als missglückten Versuch der Satire (ein Gebiet, von dem sich Politiker vielleicht ohnehin fernhalten sollten), als ernst gemeinten Versuch der Durchsetzung von Interessen Ihrer „Freunde aus der Musikindustrie“ (FAZ) oder einfach als Provokation um ihrer selbst willen werten soll. Eines weiß ich jedoch: Wer so etwas als Einstieg in eine Debatte bezeichnet, muss dann auch ernstzunehmende Argumente folgen lassen.

Ich würde mich freuen, wenn nun auch von Ihrer Seite ausgewogene und glaubwürdige Vorschläge gerade zum Thema Urheberrecht folgen würden. Sollte das nicht der Fall sein – sollte es Ihnen wirklich nur darum gegangen sein, „die im Netz“ mal zu ärgern oder schlichte Klientelpolitik zu betreiben – so haben Sie sich als Gesprächspartner zu diesen Themengebieten für mich disqualifiziert. In diesem Fall könnten Sie allenfalls noch beweisen, dass Sie „im wirklichen Leben“ mehr Anstand besitzen als im Handelsblatt, indem Sie sich zeitnah aus der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft zurückziehen.

Mit einem Gruß,

Hannes Griepentrog

P.S.: Ich werde diesen Brief auch in meinem Weblog unter der Adresse http://griepentrog.org/2012/02/sehr-geehrter-herr-heveling/ veröffentlichen – dort auch mit weiterführenden Links versehen. Im Blog habe ich mich auch bereits näher inhaltlich mit Ihrem Handelsblatt-Kommentar auseinandergesetzt. Ich würde mich freuen, auch Ihre Antwort dort veröffentlichen zu dürfen, werde dies jedoch selbstverständlich nur mit Ihrem expliziten Einverständnis tun.

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Lesetipps zu #Heveling

Aus den zahlreichen Kommentaren zu Ansgar Heveling möchte ich (als Ergänzung zu meinem eigenen Eintrag von gestern) auf fünf besonders verweisen:

Henrik Bröckelmann im WDR-Interview: „Unpassend und niveaulos“

Henrik Bröckelmann (@henrikMSL), Mitglied im Bundesvorstand der Jungen Union, kritisiert im Interview mit dem Westdeutschen Rundfunk die Aussagen von Heveling, bewertet sie und verortet sie in der netzpolitischen Diskussion innerhalb der Unionsparteien.

Dorothee Bär im Handelsblatt: „Apokalyptiker aller Länder vereinigt Euch! #nicht“

Dorothee Bär (@DoroBaer), stellvertretende Generalsekretärin der CSU und Vorsitzende des CSUnet, antwortet im Handelsblatt auf Heveling und geht dabei insbesondere auf das demokratische Potenzial des Internets ein.

Jens Koeppen auf blogfraktion.de: „Wir sind nicht im Krieg, sondern im Gespräch“

Jens Koeppen (@JensKoeppen), Bundestagsabgeordneter der CDU und Obmann der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft, weist im Blog der CDU/CSU-Bundestagsfraktion seinen Enquete-Kollegen Heveling zurecht, ohne ihn namentlich zu nennen, und ruft insbesondere dazu auf, rhetorisch abzurüsten.

Peter Tauber in der WiWo: „Internet muss nicht an den Pranger“

Peter Tauber (@petertauber), ebenfalls Mitglied der Enquete-Kommission, schreibt in einem sehr differenzierten Artikel über die Auswirkungen über die Auswirkung von Hevelings Pamphlet, über tatsächliche Chancen und Risiken im Internet und über die Notwendigkeit einer breiten gesellschaftlichen Debatte. Zur Vertiefung sei auch noch auf seine Rede beim Kreisparteitag der CDU Oldenburg-Land zum selben Thema verwiesen.

Addliss: „Ansgar Heveling: Troll unter Trollen“

Zum Abschluss – und um nicht nur auf Mitglieder der eigenen Partei bzw. ihrer bayrischen Schwester zu verweisen – noch der Hinweis auf die sehr sachliche und detaillierte Auseinandersetzung von @Addliss mit Hevelings Artikel. Eine eindeutige Leseempfehlung!

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Die fünf Fehler des Ansgar Heveling

"Ich werde mir ein sicheres Passwort zulegen. Jawohl!" und "Ich trete aus." auf der Homepage des AbgeordnetenEs war ein beachtlicher Shitstorm, der heute Mittag auf Twitter über den „CDU-Hinterbänkler“ Ansgar Heveling hereinbrach und im Defacement seines Internetauftritts (Bild bei Stecki auf Facebook geklaut; angeblich waren die Zugangsdaten sein Vor- und Nachname) mündete. Hintergrund war ein Gastkommentar im Handelsblatt, der sich unter einem Haufen Kriegsrhetorik irgendwie für SOPA und gegen das Netz als solches aussprach. Doch so berechtigt die Kritik an seinem Artikel war – warum, werde ich noch ausführen – so sehr werden ihn die Reaktionen in seinen Überzeugungen bestärken, dass die Menschen auf Twitter ihre „zweite Pubertät […] durchleben“, vermutlich gefolgt von der üblichen Platitüde, dass das Internet kein rechtfreier Raum sein darf.

Hevelings Text ist eine Kriegserklärung auch an weite Teile der eigenen Partei und der AK Netzpolitik der CDU mit allen, die sich ihm zugehörig fühlen, tut gut daran, die Kriegserklärung anzunehmen und innerparteilich umso offensiver für eine vernünftige Netzpolitik zu kämpfen. Fürs erste möchte ich Hevelings absurde Kriegsrhetorik jedoch nicht aufgreifen, sondern versuchen, mich dem Thema sachlich zu nähern, indem ich drei zentrale inhaltliche und zwei strategische Fehler thematisiere. Weniger für Heveling (der vermutlich jede Reaktion auf seine Äußerungen als Erfolg wertet) und weniger für uns Netzaktive (die netzpolitischen Unfug als solchen erkennen, wenn sie ihn sehen), sondern für „neutrale“ Beobachter, die sich noch nicht sicher sind, wer in diesem Konflikt wirklich „die Guten“ sind.

1. Netzaktive sind auch nur Menschen

Während die „digital natives“ den realen Menschen zum Dinosaurier erklären, vergessen sie dabei, dass es sich bei dieser Lebensform um die große Mehrheit der Menschen handelt.

Bereits im ersten Absatz seines Kommentars betreibt Heveling eine Entmenschlichung des vermeintlichen Gegners, bei der es schwer fällt, die Contenance zu bewahren: Er stellt die digital natives den „realen Menschen“ gegenüber, als wären die Menschen, die mit digitalen Technologien aufgewachsen sind, „irreale Menschen“ (was immer das sein soll – Menschen zweiter Klasse?). Der „reale Mensch“ werde angeblich „zum Dinosaurier“ erklärt – ich wüsste nicht wo und durch wen das geschehen sein soll (und selbst wenn das so wäre, würde niemand für sich in Anspruch nehmen können, für alle „digital natives“ zu sprechen), vermutlich entspringt das einfach Hevelings Phantasie.

Was ist tatsächlich der Fall? Es gibt Menschen – ich zähle mich dazu – die überzeugt sind, dass die Digitalisierung und die neuen Partizipationsmöglichkeiten, die heute möglich sind (wie etwa dieser Blog) den Menschen insgesamt mehr Vor- als Nachteile bieten. Sobald ich mein Referendariat beendet habe, veröffentliche ich auch gerne meine Examensarbeit zu diesem Thema :) Manche von uns missionieren gerne (etwa, wenn die Junge Union Esslingen a. N. mithilft, dass unsere Senioren Union auf Facebook ist und wir PC-Nachhilfe für unsere Senioren anbieten), in erster Linie geht es uns aber darum, die neuen Möglichkeiten selbst nutzen zu können. Deswegen haben wir etwa darauf hingewiesen, welche negativen Folgen Gesetzesvorhaben wie die Vorratsdatenspeicherung auf die Demokratie haben können. Das ist eine übliche politische Auseinandersetzung, in der man sicherlich auch anderer Meinung sein kann (wobei ich es nicht vermag, Hevelings Position mit meinem christlichen Menschenbild in Einklang zu bringen). Es ist aber für „unsere“ Seite (es ärgert mich, dass ich mich von Heveling in diese „wir gegen die“-Rhetorik zwingen lasse; so möchte ich zumindest darauf hinweisen, dass ich mit „die“ im Gegensatz zu Hevelings Ansicht nicht alle Nicht-Netzaktiven, sondern nur den einen oder anderen Innen- und Rechtspolitiker unserer Fraktion meine) nicht notwendig, hier mit Kriegsvokabular („mediale Schlachtordnung“, „Endkampf“, „digitales Blut […] vergossen“) anzukommen. Wir wollen niemanden zu seinem Glück zwingen, wir wollen nur umgekehrt nicht, dass uns jemand die Errungenschaften, die wir zu schätzen gelernt haben, streitig macht.

2. Das Web 2.0 ist bereits Geschichte – und wird doch bleiben

Und das Web 2.0 wird bald Geschichte sein.

Das Web 2.0 ist ein Schlagwort vergangener Jahre, das noch nie richtig zugetroffen hat (da es sich um keine schlagartige Entwicklung zu etwas Neuem handelt – „Mitmachen“ war auch schon in den Online-Foren der späten Neunziger möglich) und mittlerweile dabei ist, in dem Stadium anzukommen, in dem es nur noch von Politikern verwendet wird (genauer gesagt, von der Sorte Politiker, die auch heute noch von „Cyberspace“ und „Datenautobahn“ redet). Insofern ist es Geschichte.

Und doch wird es bleiben: So wie die Keilschrift Geschichte ist (aber die Schrift geblieben), so wie die Druckpresse ausstirbt (aber der Offsetdruck lebt), so wie die Zahl der Festnetzanschlüsse zurückgeht (aber dafür die Zahl der Mobiltelefone steigt) werden auch die zentralen Errungenschaften, die einst unter dem Schlagwort „Web 2.0″ zusammengefasst werden, nicht mehr weggehen: Nämlich, dass es für jeden einfach und quasi kostenfrei möglich ist, Inhalte zu veröffentlichen und sich damit in einer breiten Öffentlichkeit am demokratischen Diskurs zu beteiligen (als vertiefende Lektüre dazu empfehle ich nach wie vor Chris Andersons „The Long Tail“).

Allerdings scheint Heveling unter der Bezeichnung „Web 2.0″ ohnehin irgend etwas vollkommen anderes (wörtlich ein „imaginäres Lebensgefühl einer verlorenen Generation“ – wer den Satz versteht, möge ihn mir erklären – sinngemäß irgendwas mit Raubkopien) zu verstehen.

3. Das Urheberrecht ist veraltet, nicht die Idee geistigen Eigentums

Diese Idee des geistigen Eigentums sollte sich als Motor für Innovation und Entwicklung auf dem europäischen Kontinent erweisen.

Diesen Satz würde ich sofort unterschreiben – und trotzdem sind die Implikationen, die Heveling damit verbindet, falsch. Grundsätzlich bietet der Schutz des geistigen Eigentums durch Patente und durch das Urheberrecht einen Anreiz zur Innovation, da man nicht damit rechnen muss, dass ein Dritter die Idee übernimmt und damit Geld verdient.

Gleichzeitig können Patente Innovationen verhindern – etwa, wenn grundlegende Techniken patentiert werden (Stichwort: Softwarepatente / Trivialpatente). Solche Trivialpatente, die Innovation wirksam unterbinden (da es unmöglich ist, Software zu entwickeln, die nicht gegen sie verstößt) mögen theoretisch rechtlich nicht zulässig sein – praktisch genießen aber die Firmen, die sich eine große Rechtsabteilung leisten können, dadurch einen Vorteil vor kleinen und mittleren Unternehmen.

Im künstlerischen Bereich gilt ähnliches beim Thema Remix: Die Möglichkeiten, sich von bestehenden Werken inspirieren zu lassen und daraus etwas neues zu schaffen, sind in Deutschland heute sehr eng begrenzt. Auch dewegen setze ich mich gemeinsam mit anderen Mitgliedern von CDU und CSU für ein Faires Urheberrecht ein, das dem „Fair-Use-Prinzip“ entspricht – also die Schranken des Urheberrechts so klar definiert, dass die Menschen wissen, welche Rechte sie haben und damit einfacher als bisher auf verfügbaren Werken etwas eigenständiges aufbauen können, ohne rechtliche Konsequenzen fürchten zu müssen.

Auf Urheberrecht in Wissenschaft und im Privaten (Stichwort: Privatkopie) kann ich hier nicht eingehen, das werde ich bei Gelegenheit nachholen. Worauf es mir ankommt: Die Annahme von Heveling, „die“ (die anderen, die Bösen, die „digital natives“) wollten das geistige Eigentum abschaffen, ist schlicht und ergreifend falsch. Wir erkennen nur einen dringenden Reformbedarf, da das Urheberrecht heute nicht mehr der Lebenswirklichkeit der Menschen entspricht.

Dazu, dass Heveling dann mit seinem ganzen Sermon auch noch SOPA verteidigen will, kann ich in Bezug auf den Artikel kaum etwas sagen – denn zu SOPA und den Problemen, die das Vorhaben mit sich bringt, sagt er faktisch nichts. Daher auch von mir nur soviel: Auch wenn man das Urheberrecht in seiner bisherigen Form befürwortet, gehört schon eine Menge an Naivität Vertrauen in die Rechteinhaber dazu, die umfassenden Rechte, die diese durch SOPA bekommen sollen, zu befürworten.

4. Any publicity is good publicity? Das war einmal.

Auch wenn Heveling vielleicht keinen detaillierten Einblick in SOPA hat: Als Mitglied der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft des Deutschen Bundestags, das er – aus welchen Gründen auch immer – ist, sind seine Äußerungen mit Dummheit nicht hinreichend erklärbar. Wir müssen davon ausgehen, dass er durchaus wusste, was er schrieb – und damit vor allem ein Ziel erreichen wollte: Aufmerksamkeit für sich als „CDU-Hinterbänkler“. Die Zeit, in der man im Wahlkreis stolz mit seinem Handelsblatt-Artikel winken und damit unwidersprochen reüssieren konnte, ist allerdings vorbei: Der eben verlinkte SPON-Artikel zeigt wieder einmal, dass Journalisten heute (zum Glück) ein anderes Bild von Twitter haben und entsprechend auch in klassischen Medien kritisch über solche Artikel berichtet wird. Hoffen wir, dass das auch der ein- oder andere Mensch in dem Wahlkreis, der ihn im Laufe des Jahres wieder nominieren soll, mitbekommt…

5. Das Internet ist kein Nischenthema mehr

Damit kommen wir zum strategischen Fehler Nummer 2: Der Glaube, man müsse nur die Ängste der nicht-internetaffinen Bevölkerung ansprechen, um wiedergewählt zu werden, ist langsam ähnlich anachronistisch wie der Rest von Hevelings Text. Die Internetnutzung nimmt nach wie vor in allen Altersgruppen zu – und zwar bis hin zu Diensten wie Facebook. Mag es in diesem Jahr noch leichte taktische Vorteile haben, sich hier „konservativ“ zu positionieren, so wird sich das hoffentlich bald ändern – und dann dürfen die Unionsparteien nicht auf den falschen Zug aufgesprungen sein.

Fazit

Hoffen wir also für die CDU, dass es den „Netzaktiven“ doch gelingt, auch im Diskurs über die Ausrichtung unserer Partei die Oberhand zu bekommen. Netzpolitik ist nämlich definitiv zu wichtig, um sie den Urheberrechtshardlinern und unseren Innen- und Rechtspolitikern zu überlassen. Und hoffen wir vor allem, dass es uns gelingt, die innerparteiliche Debatte als Debatte zu führen – und nicht als Schlammschlacht, wie es Heveling offenbar gerne hätte (und worauf, wie Flo Braun bemerkt, leider zu viele einsteigen).

Update: Henrik Bröckelmann zieht einen interessanten Vergleich zu den Grünen von 1987…

Update 2: Und Henrik sagt im Interview beim WDR viel richtiges zum Thema. Lesebefehl!

Update 3: Christian Wohlrabe diskutiert auf Facebook mit Günter Krings, welcher den Ausführungen von Heveling natürlich zustimmt…

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Rezepte: Mein Burger vs. „Mein Burger“

Screenshot des "Schwaben-Mac" von www.mcdondalds.deHeute wird wieder einmal ein Burger gebastelt:

Nachdem mein „Schwaben-Mac“ bei der McDonald’s-Aktion „Mein Burger“ leider wieder einmal chancenlos ist (ihr dürft natürlich trotzdem gerne noch abstimmen ;-)), habe ich mich dazu entschlossen, das Ding selbst nachzubauen – natürlich an der einen oder anderen Stelle mit etwas besseren Zutaten.

Screenshot von www.mcdonalds.de mit der "Bastelanleitung"Herzstück des Burgers ist ein paniertes Hähnchenfleisch und ein panierter Camembert. Für den Eigenbau habe ich mich natürlich gegen Formfleisch entschieden – um genau zu sein, auch gegen Hähnchenfleisch, da ich im Kühlregal auf Putenschnitzel stieß, die bereits in der passenden Größe waren – der Metzger hatte leider schon zu und Hähnchenfleisch gab es gerade nur in rund doppelt so großen Packungen. Der Camembert ist die 125-Gramm-Variante. Kein besonderer; zum Panieren tat es für mich auch die REWE-Eigenmarke.

Zwei Putenschnitzel, gewaschen und übereinandergelegt Camembert, in zwei Scheiben geschnitten

Für die Panade kann man pro Burger ein Ei rechnen. Also zwei Eier in die Schüssel, Semmelbrösel daneben und erst die beiden Camembert-Scheiben und dann das Fleisch jeweils in Ei, Semmelbröseln, nochmals Ei und nochmals Semmelbröseln gewendet – und ab damit in die Pfanne:

Zwei Scheiben panierter Camembert in der Pfanne Zwei panierte Putenschnitzel (bereits gewendet) in der Pfanne, im Hintergrund: Panierter Camembert in der Pfanne

Währenddessen werden die Laugenweckle vorbereitet: Auf die untere Hälfte kommen zwei Scheiben Schwarzwälder Schinken, auf die obere eine Mischung aus Ketchup und Barbecue-Sauce (als Ersatz für die „rauchige Tomatensauce“, die ich im Mc-Konfigurator angegeben hatte) und Gewürzgurkenstreifen. Fleisch und Camembert drauf – und fertig ist der Burger!

Aufgeschnittene und mit Schwarzwälder Schinken, Ketchup, Barbecue-Sauce und Gewürzgurken belegte Laugenbrötchen Dieselben Brötchen, belegt mit panierten Putzenschnitzeln und paniertem Camembert

Zum Abschluss nochmals die Gesamtansicht und der Querschnitt des Burgers (der Käse ist etwas dünner geworden, da sich beim Braten doch ein Teil aus der Panade verabschiedet hat und dann irgendwie dazu reingestopft wurde…):

Laugenbrötchen, belegt mit Schwarzwälder Schinken, paniertem Putenschnitzel, paniertem Camembert, Gewürzgurken und Ketchup / Barbecue-Sauce Laugenbrötchen, belegt mit Schwarzwälder Schinken, paniertem Putenschnitzel, paniertem Camembert, Gewürzgurken und Ketchup / Barbecue-Sauce (Querschnitt)

Insgesamt sehr lecker; Achtung: Verliert am Anfang etwas Flüssigkeit, vermutlich vom paniertem Camembert! Und jetzt viel Spaß beim Nachbauen :-)

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Wann stirbt Bild?

Nach der Anregung von @mahrko und der Bitte von @sixtus nach einem Sterbezeitpunkt habe ich das Bild-Sterben geschwind grafisch umgesetzt :) Danach ist die Bild spätestens im Laufe des Jahres 2029 tot.

Auflagenzahlen vom BILDblog abgeschaut; lineare Extrapolation der Auflagenentwicklung zwischen 2001 und 2011.

Auflagenentwicklung von "Bild" und "Bild am Sonntag" mit Prognose

Creative Commons Lizenzvertrag

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Meinung machen mit Meinungsforschung

Gegen Ende meines letzten Artikels, der sich damit beschäftigte, wie wenig „Online-Umfragen“ mit echter Meinungsforschung zu tun haben, schrieb ich:

Ist das schlimm? In diesem Fall vermutlich weniger […]. Sobald damit jedoch Meinung gemacht wird und die Grenzen zwischen Unfug und Journalismus verschwimmen, wird es gefährlich.

Ich muss leider darauf zurückkommen, da ich vor einigen Tagen auf ein Beispiel gestoßen wurde, wo eben versucht wurde, auf diese Art und Weise Meinung zu machen.

Auf der Internetseite des Focus wurden die Ergebnisse einer Online-Umfrage zur Frage, ob Christian Wulff als Bundespräsident zurücktreten sollte, veröffentlicht. Der Artikel ist so kurz wie er falsch ist – oder wenigstens falsche Implikationen enthält.

Was unstrittig ist: Die Umfrageergebnisse

Der erste Absatz nach dem Vorspann (auf die Überschrift werde ich noch zurückkommen) stellt die Ergebnisse knapp und soweit korrekt dar: Es wird der Fragewortlaut genannt („Soll Bundespräsident Christian Wulff wegen der Kredit-Affäre zurücktreten?“) und das Ergebnis präsentiert: 75,3 % stimmten mit „Ja“, der Rest (24,7 %) war dagegen. Aus der Formulierung „haben wir unsere User gefragt“ kann man immerhin vermuten, dass es sich um eine Online-Umfrage handelt. Vermutlich (wobei ich das nicht weiß, da ich die Umfrage nicht gesehen habe) eine von der Sorte, die man mit einem einfachen Klick auf eine Antwort zu einer einzelnen Frage beantworten kann. Die Grundgesamtheit (also die Menge der Menschen, die überhaupt eine Chance hatten, befragt zu werden und auf die sich die Ergebnisse somit beziehen sollen) wird mit „FOCUS-Online-Leser“ angegeben.

So weit, so klar. Aber: Welche Aussagekraft haben diese Zahlen tatsächlich – und welche Probleme gibt es mit ihnen?

Problem 1: Technische Unzulänglichkeiten

Zunächst kann nie ausgeschlossen werden, dass Menschen mehrfach an der Umfrage teilnehmen. Das wird zwar mit Sicherheit durch technische Maßnahmen (Cookies, evtl. Speicherung der IP-Adresse) erschwert. Diese lassen sich jedoch mehr oder weniger einfach umgehen. Mein Browser löscht etwa alle Cookies, soweit ich es nicht explizit anders angegeben habe, automatisch beim Schließen. Werden Mehrfachabstimmungen nur auf diese Weise verhindert, muss der Browser eben ein paar Mal neu gestartet werden – ich kann jedes Mal von Neuem abstimmen. Bei IP-Sperren ist dann auch eine Neueinwahl beim Provider erforderlich – auch hier wird der Abstimmende nicht eindeutig wiedererkannt (zumal man sich hier neue Probleme einhandelt, wenn sich mehrere Menschen eine IP-Adresse teilen). Hinzu kommt, dass natürlich auch das Abstimmen mit mehreren Rechnern oder Smartphones möglich ist.

Problem 2: Nicht jeder Mensch hat eine Meinung

Auch das Gegenteil sollte man nicht vergessen: Menschen, die gar nicht abstimmen. Es fällt auf, dass die Zahl der Ja- und Nein-Prozente zusammen genau 100 % ergibt. Das ist in der seriösen Umfrageforschung quasi kaum zu erreichen, bei Online-Umfragen aber Usus: Wer mit „weiß nicht“ geantwortet hätte oder die Frage nicht beantworten wollte, wird nicht erfasst. Die Prozentzahlen geben daher nicht den Anteil an allen Befragten an, sondern den Anteil an denen, die die Frage auch beantwortet haben. Wenn aber allein fünf Prozent der Deutschen den Bundespräsidenten nicht kennen (im Artikel unten auf „Grafik zum Text“ klicken) und es ja noch viele andere Gründe gibt, eine Frage für sich nicht entscheiden zu wollen, ist es zumindest plausibel anzunehmen, dass nicht jeder, der die Frage gelesen hat, sie für sich auch beantworten konnte. Damit sind die 75,3 %, die im Ergebnis stehen, sicherlich zu hoch gegriffen. Ein Vergleich zu den Nutzerzahlen wird nicht gezogen.

Der eigentliche Knackpunkt: Die Repräsentativität

Aber, mag man einwenden, es haben sich doch genügend Menschen beteiligt:

Wie sehr das Thema die User beschäftigt, zeigt die enorm hohe Beteiligung. Es wurden mehr als 18 000 Stimmen abgegeben.

Und so wurde ich auch auf Twitter gefragt:

sind denn Umfragen wie von Die Welt mit nur 1027 Befragten repräsentativer?

Als Sozialwissenschaftler ist man immer etwas erstaunt über diese Frage, denn die Antwort lautet natürlich: Ja – wenn die Befragten durch eine angemessene Auswahlmethode bestimmt wurden, was bei einer Online-Umfrage grundsätzlich nicht der Fall ist. Wem das Wissen darüber fehlt, wie Repräsentativität zustande kommt, der kann aber tatsächlich glauben, die 18000 Stimmen wären „repräsentativ“ für die genannte Grundgesamtheit. Und der Focus gibt sich auch keine Mühe, diesen Eindruck zu widerlegen.

Wie aber erreicht man Repräsentativität? Dazu müssen wir uns ein wenig tiefer in die Niederungen der empirischen Sozialforschung begeben.

Die Menschen, über die wir eine Aussage treffen möchten, bezeichnen wir als die Grundgesamtheit. Dabei handelt es sich z.B. um die Gesamtheit der wahlberechtigten Deutschen oder auch die Gesamtheit der FOCUS-Online-Leser.

Davon zu unterscheiden ist die Gruppe der Menschen, die tatsächlich eine Chance haben, an der Umfrage teilzunehmen. Diese bezeichnet man als Auswahlgesamtheit. Bei einer Telefonumfrage ist das z.B. die Zahl der wahlberechtigten Deutschen, die einen Festnetzanschluss haben. In diesem Fall handelt es sich um eine Teilmenge der Grundgesamtheit, die relativ groß ist, aber eben nicht alle Menschen abdeckt. Wenn besonders junge Menschen häufig keinen Festnetzanschluss mehr haben, bedeutet das, dass diese Altersgruppe in der Umfrage unterrepräsentiert ist. Das Problem besteht (weniger stark) auch bei Online-Umfragen, wenn man etwa Nutzer mit deaktiviertem JavaScript oder Nutzer von bestimmten Mobilgeräten aus technischen Gründen unbeabsichtigt von der Umfrage ausschließt, ist aber durchaus auch in der seriösen Umfrageforschung nicht zu vermeiden. Man kann dort nur versuchen, die Abweichung durch geschickte Wahl der Befragungsmethode zu minimieren.

Der Knackpunkt ist aber der: Wie werden aus meiner Auswahlgesamtheit diejenigen ausgewählt, die tatsächlich befragt werden? Als stark vereinfachtes Beispiel wähle ich eine Auswahlgesamtheit von 100 Menschen, von denen 70 für eine Sache sind (etwa, dass Wulff im Amt bleibt), 26 dagegen und 4 keine Meinung haben oder die Frage nicht beantworten möchten (das entspricht dem prozentualen Ergebnis der repräsentativen Umfrage der ARD zu unserem Thema). Diese sind in der Grafik durch 100 weiße Punkte dargestellt

Möchte ich ein repräsentatives Ergebnis erhalten, so benötige ich eine Zufallsauswahl. Das bedeutet: Jeder, der sich in der Auswahlgesamtheit befindet, hat möglichst exakt dieselbe Chance, auch tatsächlich Befragter zu werden. Bei Telefonumfragen nähert man sich diesem Ziel an, indem man

  • zufällige Nummern aus dem Telefonbuch auswählt
  • die letzte Ziffer zufällig ändert, um auch diejenigen abzudecken, die nicht im Telefonbuch stehen
  • Nummern nicht nur einmal anruft, sondern so lange, bis man den Befragten erreicht, damit nicht diejenigen, die länger arbeiten, eine geringere Wahrscheinlichkeit haben, befragt zu werden
  • zufällig ein Haushaltsmitglied auswählt (etwa das volljährige Mitglied des Haushalts, welches zuletzt Geburtstag hatte), damit nicht derjenige im Haushalt, der am Häufigsten zu Hause ist, eine höhere Chance hat, befragt zu werden
  • usw.

Damit kann man lange nicht alle Probleme lösen, man kann aber viele systematische Fehler ausschließen. In unserem Beispiel habe ich durch Zufallsauswahl von 20 Befragten etwa 14 getroffen, die für den Verbleib Wulffs im Amt sind, fünf Gegner und einen der keine Meinung zu dem Thema hat. Das ergäbe ein Verhältnis von 70 % zu 25 % zu 5 % und wäre somit verhältnismäßig nahe an der Verteilung in der Auswahlgesamtheit. Bei so kleinen Zahlen dürften die Abweichungen in der Realität höher liegen; tatsächlich genügen aber rund 1000 zufällig Befragte um verhältnismäßig zuverlässige Aussagen über alle Deutschen (bei einer maximalen Abweichung von vielleicht drei oder vier Prozentpunkten) treffen zu können.

Was dagegen bei Online-Umfragen stattfindet, ist eine willkürliche Auswahl: Es kann jeder mitmachen, der mitmachen möchte. Man kann Freunde oder Bekannte auf die Umfrage aufmerksam machen, man kann den Link bei Twitter und Facebook einstellen und zum Mitmachen aufrufen usw. usf. Auf diese Weise bildet sich in politischen Umfragen nicht mehr unbedingt ab, was die Mehrheit der Nutzer denkt, sondern welche Seite ihre Anhänger besser mobilisieren konnte (so kamen im Bundestagswahlkampf 2009 auch bei manchen Umfragen Ergebnisse von 80 % und mehr für die Piratenpartei zustande). Wer gut vernetzt ist oder auf Twitter aktiv nach Hashtags sucht, wird also eher auf die Umfrage aufmerksam und hat damit eine deutlich höhere Chance, auch befragt zu werden.

In unserem kleinen Beispiel wären die Gegner nun deutlich besser vernetzt und/oder hätten eine höhere Motivation, tatsächlich abzustimmen (etwa aus ihrer Position als „Angreifer“ oder weil sie sich ihrer Sache sicherer sind). Sie verbreiten den Link zur Abstimmung weiter (natürlich vornehmlich an Gleichgesinnte), rufen zur Abstimmung auf – und schon zeigt das Ergebnis das Gegenteil dessen, was die Mehrheit denkt. Nämlich in unserem Beispiel 25 % für die eigentliche Mehrheit und 75 % für die eigentliche Minderheit…

Journalisten sollten darüber aufklären

Dieses Problem haben alle Online-Umfragen, auch wenn ihre Fragestellung (im Gegensatz zum Tübinger-Wochenblatt-Beispiel von letztem Mal) methodisch nicht zu beanstanden ist. Diese bringen häufig trotzdem ganz plausible Ergebnisse hervor – wenn eben eine Frage nicht besonders dazu motiviert, andere Leute zur Teilnahme aufzurufen. Auch dann haben wir keinerlei Repräsentativität und können die Abweichung der Antworten der Befragten von denen der Grundgesamtheit nicht mathematisch berechnen, die willkürliche Auswahl führt aber nicht zu all zu großen Verzerrungen. Sobald aber eine Frage – etwa, weil sie von aktueller politischer Brisanz ist – zum Beeinflussen der Umfrage motiviert, sind die Ergebnisse faktisch wertlos. Und da wir nicht feststellen können, wann dies der Fall war, können wir festhalten: Auf die Ergebnisse von Online-Umfragen (wenigstens bei solchen Ein-Klick-Schnellumfragen, bei denen nicht einmal eine Quotenauswahl möglich ist) sollten wir grundsätzlich nichts geben.

Übrigens: Gerade wenn ungewöhnlich viele Menschen an so einer Umfrage teilnehmen, ist dies damit (auch wenn dies zunächst konterintuitiv erscheint) ein deutliches Indiz dafür, dass ihre Aussagekraft in Zweifel zu ziehen ist.

Die Überschrift des Artikels, „FOCUS-Online-User wünschen Rücktritt Wulffs“ ist mithin auch irreführend: Sicherlich gibt es FOCUS-Online-User, die den Rücktritt Wulffs wünschen (so verstanden wäre die Aussage allerdings trivial); ob es die Mehrheit ist, wissen wir nicht und können wir durch eine solche Online-Umfrage auch nicht herausfinden.

Aufgabe der Journalisten sollte es sein, über diese Unzulänglichkeiten der eigenen Methoden aufzuklären. Wenn dies nicht geschieht, sondern im Gegenteil bewusst eine Interpretation aus den wertlosen Zahlen gezogen wird, hat dies nichts mit Meinungsforschung zu tun, sondern ist reine Meinungsmache. Oder, wie ich es nach Lektüre des FOCUS-Online-Artikels etwas polemisch ausdrückte:

Es gibt sicherlich viele sympathischere Menschen als #Wulff, aber bei einem bin ich mir sicher: Die meisten Journalisten gehören nicht dazu.

Nachtrag: Wie es richtig geht, zeigt tagesschau.de: Die Umfrage ist keineswegs aussagekräftiger, es gibt aber die Antwortmöglichkeit „Weiß nicht. / Ist mir egal.“ mit aktuell immerhin 2,4 % und den Hinweis darauf, dass es sich nicht um eine repräsentative Umfrage handelt. Eine Interpretation der Ergebnisse, die Repräsentativität implizieren würde, findet nicht statt. Und unter dem Teilnahmeformular sowie dem Ergebnis findet sich folgender Hinweis „in eigener Sache“:

Liebe User,

wir freuen uns über Ihre rege Beteiligung an unseren Umfragen!

Weniger erfreut nehmen wir zur Kenntnis, dass viele unserer Umfragen von Interessengruppen zum Anlass genommen wurden und werden, ihre jeweiligen Mitglieder zur massenhaften Teilnahme aufzurufen.

Wenn Ihnen derlei bekannt wird, schicken Sie uns doch einfach eine E-Mail an redaktion@tagesschau.de. Das hilft uns dabei, unsere Umfrageergebnisse besser einzuordnen.

Herzlichst
tagesschau.de

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Wie war nochmal die Frage?

Die einzige Rubrik, die ich im Tübinger Wochenblatt regelmäßig und mit… nennen wir es einmal Freude lese, ist die „Online-Umfrage“, deren Resultate direkt auf der Titelseite abgedruckt werden. Nicht, weil mich interessieren würde, was die Menschen so zu einer bestimmten Frage denken (dafür ist sie denkbar ungeeignet), sondern weil es mich immer wieder fasziniert, wie viele unterschiedliche Fragen man in eine Frage packen kann. Anders gesagt:

Wie viele Fragen würde man in einer seriösen Umfrage benötigen, um alle Aspekte abzufragen, die in eine einzige Frage und ihre Antwortmöglichkeiten gepackt wurden bzw. dort gezielt außen vor gelassen wurden?

Eigentlich bietet das Wochenblatt jede Woche wieder ein Paradebeispiel dafür, wie man es in der empirischen Sozialforschung nie machen würde – daher habe ich mir einfach mal die aktuelle Ausgabe geschnappt, um das Ganze durchzuspielen.

Die Frage

Papst-Besuch: Der höchste Vertreter der katholischen Kirche, Papst Benedikt XVI, kommt erstmals auf Staatsbesuch nach Deutschland. Was halten Sie davon?

„Was halten Sie davon?“ ist natürlich keine Frage, die einem in einer quantitativen Untersuchung je über die Lippen kommen würde (und am pseudoobjektiven Tortendiagramm sehen wir ja, dass das, was hier simuliert werden soll, offenbar quantitative Forschung ist). Die Frage ist so offen, dass man alles und nichts darauf antworten kann. Um das zu kanalisieren, gibt es daher verschiedene Antwortvorgaben, die jeweils unterschiedliche Unterstellungen beinhalten.

Die Antwortmöglichkeiten

Als gläubiger Mensch freue ich mich über den Besuch und hoffe, dass der Papst gute Worte findet.

Wer diese Antwortvorgabe wählt, gibt damit gleich die Antwort auf drei Fragen: Er sagt aus,

  1. dass er gläubig ist
  2. dass er sich auf den Papstbesuch freut
  3. dass er hofft, dass der Papst „gute Worte findet“ (was immer das heißt – ich werde darauf zurückkommen).

Umgekehrt wird damit suggeriert: Damit man sich auf den Papstbesuch freuen kann, muss man selbstverständlich gläubig sein. Ob man wohl gläubig sein und sich trotzdem nicht freuen kann?

Schade, dass er nicht nach Tübingen kommt, wo er doch auch schon gelehrt hat.

Ah ja. Ist jetzt nicht genau das, was man bei „Was halten Sie davon“ erwartet, aber etwas Lokalkolorit muss eben auch noch rein. Zählen wir das mal als Frage 4.

Ich finde, der Besuch sprengt den Rahmen. 16 000 Polizisten sind einfach zuviel für einen Mann.

Schon wieder eine neue Frage. Hier geht es ja nicht mehr um die „Freude“, sondern um die Verhältnismäßigkeit des Aufwandes. Dass sich jemand freuen könnte, obwohl er den Aufwand eigentlich für zu hoch hält? Das wäre wohl zu spitzfindig.

Abgesehen davon, dass es sich (wenn man es als einzelne Frage formulieren würde) natürlich um eine Suggestivfrage handelt: Die 16 000 Polizisten werden in Relation zu dem einen Papst gesetzt (als ob er alleine 16 000 Bodyguards benötigen würde), nicht etwa zu der Anzahl der Gläubigen: Hier nennt die Wikipedia 61 000 im Olympiastadion, 90 000 im Eichsfeld, 30 000 in Erfurt, 30 000 Jugendliche bei der Vigil in Freiburg und 100 000 Teilnehmer beim Abschlussgottesdienst. Macht zusammen runde 311 000 Menschen alleine bei den Massenveranstaltungen, für die 16 000 Polizisten schon wieder nicht ganz so übertrieben klingen.

Eine klare Botschaft an die Welt erhoffe ich mir.

Das ist jetzt spannend. Ist „eine klare Botschaft“ dasselbe wie die „guten Worte“ aus der ersten Antwortmöglichkeit? Wenn nein: Worin liegt der Unterschied? Was genau versteht derjenige darunter, der die Frage stellt – und was der, der sie hört? Ich werte das mal nicht als eigene Antwortmöglichkeit.

Eine klare Meinung habe ich nicht dazu. Außerdem bin ich Atheist.

„Außerdem“ ist auch so ein Wort, das sich in keiner seriösen Umfrage wiederfinden wird ;) Die Suggestion dagegen ist klar: Wer keine klare Meinung hat und dies in der Umfrage zum Ausdruck bringen möchte, muss sich zum Atheismus bekennen. Umgekehrt wird Atheisten offenbar keine eigene Meinung zugetraut. Jedenfalls: Wieder zwei Fragen mehr.

Wir haben also grob geschätzt sechs Fragen, die alleine in die Antwortmöglichkeiten zu einer einzigen gepresst wurden. Das, was man an Forschungsfragen stellen könnten („Freuen sich gläubige Menschen mehr auf den Papstbesuch?“, „Haben Atheisten häufiger keine eindeutige Meinung zum Papstbesuch?“) wird einfach als gegeben angenommen und nicht hinterfragt.

Was nicht gefragt wird

Ähnlich interessant wie die Unterstellungen in den Antwortmöglichkeiten sind die Punkte, die gar nicht erst zur Auswahl gestellt werden. Wer gegen den Papstbesuch ist, hat nur die Möglichkeit, den großen Polizeieinsatz zu kritisieren (was dann auch 48,7 % der Antwortenden getan haben). Andere Gründe (Wunsch nach stärkerer Trennung von Kirche und Staat, vermutete Homophobie, Sexismus und Antisemitismus, eine angeblich „menschenfeindliche Geschlechter- und Sexualpolitik“) scheinen nicht von Bedeutung zu sein. Jetzt muss man die Kritikpunkte ja nicht teilen – und selbst wenn man an einzelnen Punkten Kritik übt, kann man den Besuch des Papstes begrüßen. Aber wer sie so sehr ausblendet, zeigt auch, dass er nicht an einer ernsthaften Antwort interessiert ist.

Und dann wäre da noch…

Der Hinweis, dass es sich nicht um eine repräsentative Umfrage handelt, fehlt. Es wird nicht einmal erwähnt, wie viele Menschen an der Umfrage teilgenommen haben (wahrscheinlich waren es deutlich unter 1000; sonst hätte man vermutlich die Zahl dazugeschrieben, damit es so aussieht wie bei einer repräsentativen Umfrage) – die Zahl findet sich auch im Online-Archiv nicht. Von so Dingen wie Standardabweichung brauchen wir hier ohnehin nicht anzufangen.

Wie wäre es richtig?

Mal ins Unreine gesprochen und ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Repräsentative Auswahl der Befragten (etwa über eine Telefonumfrage) und etwa die folgenden Fragen:

  1. Bezeichnen Sie sich selbst als gläubig? (evtl. nur 3er- oder 4er-Skala; für die Nicht-Gläubigen ggf. Frage 2 überspringen)
  2. Welcher Konfession fühlen Sie sich zugehörig? (Hier wäre aber noch zu überlegen, ob man besser die gefühlte oder die offizielle Zugehörigkeit abfragt – beides hat Vor- und Nachteile)
  3. Auf einer Skala von …, wie sehr würden Sie den folgenden Aussagen zustimmen? „Ich freue mich, dass der Papst nach Deutschland kommt“ (diese und die folgenden Fragen auf einer Fünfer-, Siebener- oder Neuner-Skala von „stimme gar nicht zu“ bis „stimme voll und ganz zu“)
  4. „Ich hoffe, dass der Papst etwas zur Ökumene … zum Missbrauch … zum Frauenpriestertum … sagt“ (und noch viele weitere Fragen; damit kann man doch viel mehr anfangen als mit „gute Worte“ oder „klare Botschaft“)
  5. „Es hätte mich gefreut, wenn der Papst auch nach Tübingen gekommen wäre“ (wenn das Lokalblatt das eben unbedingt wissen will…)
  6. „Der Einsatz von 16000 Polizisten für den Papstbesuch ist nicht verhältnismäßig“
  7. „Ob der Papst nach Deutschland kommt oder nicht, interessiert mich nicht“
  8. Dazu noch ein paar Aussagen zu Homophobie, Antisemitismus, Laizismus usw., denen man zustimmen kann oder nicht. Evtl. müsste hier noch zwischen der Einstellung des Befragten zu Homophobie usw. und seiner Meinung über die Position der Kirche unterschieden werden.

Sagen wir so: Wir würden damit gut einen ganzen Fragebogen zusammenbekommen.

Fazit

Ist das schlimm? In diesem Fall vermutlich weniger: Es ist, so hoffe ich zumindest, auch für den Laien zu erkennen, dass die Umfrage trotz des schönen Tortendiagramms eher dem Bereich der Unterhaltung als dem Journalismus zuzuordnen ist. Sobald damit jedoch Meinung gemacht wird und die Grenzen zwischen Unfug und Journalismus verschwimmen, wird es gefährlich.

Wenn Sie also einmal einleuchtende Zahlen sehen: Zählen Sie erstmal selbst die Fragen. Schauen, wer durch die Antwortmöglichkeiten nicht abgedeckt wurde. Und alles, was nicht repräsenativ ist (bevorzugt durch Zufalls- und nicht durch Quotenstichprobe) fällt ohnehin nicht in den Bereich der Information.

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Rezepte: Asia-Burger und Sirup-Burger (mit Nachtisch)

Disclaimer: Falls jemand von meiner Krankenversicherung mitliest: Dies entspricht nicht meinen normalen Ernährungsgewohnheiten :-P

Mein Mittagessen heute bestand aus zwei spontanen Kreationen aus dem Burger-Bereich, die ich euch nicht vorenthalten möchte.

Vorbereitung

Bevor es losgeht wurde natürlich eingekauft, zusammengestellt und bereits etwas Gemüse geschnippelt (Zucchini und Paprika). Das Ergebnis seht ihr im Bild rechts. Hier nicht abgebildet sind nur Salz, Pfeffer, Olivenöl, Sonnenblumenöl sowie Rosinen, Gelee und Sahne für den Nachtisch. Mit auf dem Bild auch die Getränke: Disaronno mit Ginger Ale (ich hatte letztens das Set mit Ginger Ale und Glas gekauft, weil es weniger gekostet hatte als der Amaretto alleine, den ich für einen Tiramisu gebraucht hatte) und natürlich Kaffee.

Der Asia-Burger

Der erste Schritt war dann die Vorbereitung des Fleischs: 200 g Rinderhackfleisch wurden mit Salz und Pfeffer gemischt und ungefähr im Verhältnis 3/5 (für den Asia-Burger, rechts im Bild) zu 2/5 (für den Sirup-Burger, links im Bild) aufgeteilt und in Form gebracht. Währenddessen habe ich bereits Olivenöl im Wok erhitzt, um dort die Zucchini- und Paprikastreifen anzubraten und dann mit einer Marinade aus Sojasauce, Ketchup und Honig abzulöschen (die war aber nicht so ganz überzeugend – wer bessere Ideen für süß-saure Marinaden hat, bitte in die Kommentare!)

         

Danach wurde das Fleisch in Sonnenblumenöl von beiden Seiten angebraten und nach dem Wenden mit Käse belegt. Die Brötchenhälften kamen in den Toaster. Die Ananasscheibe habe ich ganz zum Schluss ebenfalls für ein paar Sekunden in die Pfanne gelegt, um sie auf Temperatur zu bringen.

Belegt wurde der Bürger dann wie folgt (von unten nach oben):

  • Untere Brötchenhälfte
  • Salatblatt
  • Mariniertes Gemüse
  • Fleisch
  • Käse
  • Ananasscheibe
  • Sweet-Chili-Sauce
  • Obere Brötchenhälfte

Fazit: Insgesamt ein ganz ordentlicher Burger, das Gemüse (und insbesondere die Marinade) war aber nicht optimal. Nächstes Mal lasse ich es zumindest besser abtropfen. Auch mal einen Versuch wert wäre, statt dem Gemüse eine richtige süß-saure Sauce mit eingelegten Ananas- und Karottenstreifen etc. im unteren Teil des Burgers unterzubringen und oben dafür nur die scharfe Sauce einzusetzen. Durch die Marinade war das Handling auch nicht optimal, da der Burger deutlich an Flüssigkeit verlor, sobald man ihn aus der Waagerechten in eine andere Position brachte.

Der Sirup-Burger

Der zweite Burger stammt eindeutig aus der Kategorie „Viele Kalorien auf wenig Raum“. Inspiriert vom Country McGriddles und weil ich gerade noch toastergeeignete Waffeln rumliegen hatte, entschied ich mich für einen ordentlich fettigen Frühstücksburger. Dazu gehören selbstverständlich Bacon-Streifen, die ich parallel zum Fleisch in einer zweiten Pfanne erhitzte. Kurz bevor das Fleisch durch war, kamen die Waffeln in den Toaster, um dann, kaum dass sie ihm wieder entsprungen waren, wie folgt belegt zu werden (von unten nach oben):

  • Waffel
  • Ahornsirup
  • Drei Bacon-Streifen
  • Fleisch
  • Käse
  • Waffel
  • Ahornsirup

Fertig ist der Sirup-Burger!

Fazit: Sehr lecker. Ein „Burger“ ohne Schnickschnack, dafür mit einer angenehm süßen Note. Gerade für ein warmes Frühstück definitiv geeignet, aber auch wie hier als Übergang zwischen Mittagessen und Nachtisch durchaus empfehlenswert. Vom Handling sogar besser als erwartet: Die Waffeln saugen den Ahornsirup ganz gut auf, sodass man zwar klebrige Finger bekommt, aber nicht all zu viel Flüssigkeit aus dem Burger läuft.

Nachtisch: Ananasringe mit Weingelee und Rosinen

Um die übrigen Ananasscheiben aus der angebrochenen Dose loszuwerden, habe ich sie spontan zu einem Nachtisch verarbeitet: Mit Weingelee bedecken, Rosinen drüber und das ganze mit ordentlich Sprühsahne eindecken et voilà – fertig ist die Kaloriensammlung!

Zu den Burgern gab es Amaretto mit Ginger Ale (mal ausprobiert – ist allerdings nicht ganz mein Geschmack, das nächste Mal bleib ich doch lieber beim Bier), zum Nachtisch einen Kaffee. Und jetzt brauch ich erst mal meinen Verdauungsschlaf ;-)

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Medienkompetenz und Vorurteile

Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie leichtgläubig Menschen sind, solange nur ihre eigenen Vorurteile bestätigt werden. Gestern war wieder so ein Fall: Auf Google+ lese ich bei Kristian Köhntopp, die CDU Baden-Württemberg habe auf ihrer Facebook-Seite folgendes geschrieben:

„Behinderte, die nur einen geringen Teil unserer Wähler ausmachen, sind für uns als Gruppe weniger relevant als der Fortschritt von führenden Wirtschaftsunternehmen.“

Dass der CDU regelmäßig unterstellt wird, „die Interessen der Wirtschaft vor die der Menschen zu stellen“ (dass ich zwischen Menschen und Wirtschaft bzw. zwischen Arbeit und Kapital keinen so scharfen Gegensatz sehe, ist wohl ein Grund, warum ich in dem Verein Mitglied bin :-)), war mir ja bekannt. Trotzdem muss man kein CDU-Mitglied sein, um bei diesem Zitat Zweifel daran zu haben, dass es wirklich authentisch ist.

Was macht man in so einem Fall? Nun, da gibt es zwei Möglichkeiten. Erstens die, für die ich mich entschieden habe:

  • Ich suche zunächst einmal mit der Facebook-Suche nach CDU-BW und finde zwei identisch aussehende Fanseiten (einmal mit über 3000 Fans, einmal mit einem Fan). Ich stelle Vermutungen darüber an, von wem der beiden der inkriminierte Kommentar wohl stammen könnte ;-)
  • Ich gehe auf die Facebook-Seite der CDU-BW.
  • Da standardmäßig nur die Statusupdates der CDU selbst angezeigt werden, wechsele ich (über den Link oberhalb der Pinnwand) auf die Ansicht „Neueste Beiträge“.
  • An (zu diesem Zeitpunkt) zweiter Stelle befindet sich der entsprechende Eintrag von Julia Probst inklusive dem betreffenden Kommentar.
  • Bewegt man den Mauszeiger über das „CDU-BW“ neben dem Eintrag erscheint der Hinweis „Einer Person gefällt das“; ein Klick darauf führt nicht zurück zur Seite der CDU-BW, sondern eben zu der oben angesprochenen zweiten Seite.
  • Der Fall ist klar: Jemand hat eine neue Fanpage mit dem Namen und dem Profilbild der CDU Baden-Württemberg angelegt und unter diesem Namen bei der echten CDU kommentiert. Auf den ersten Blick (oder auf Screenshots) ist das nicht von einem echten Kommentar der CDU zu unterscheiden – nimmt man sich fünf Minuten, um der Sache nachzugehen, ist es aber auch nicht wirklich schwierig, dahinter zu kommen, was hier nicht stimmt.
  • Ich habe dann noch die Seite als Spam gemeldet und über eine interne Facebook-Gruppe andere CDU-Mitglieder gebeten, dasselbe zu tun. Über diesen Hinweis ist auch der Internetreferent des CDU-Landesverbandes, Uwe Wiedmann, auf den Fake-Account aufmerksam geworden, hat in den entsprechenden Threads kommentiert (was ich parallel dazu teilweise auch schon gemacht hatte) und den Fake-Account wohl ebenfalls gemeldet; wenige Minuten später war dieser jedenfalls – inklusive aller seiner Kommentare – verschwunden.

Wie gesagt, das ist Möglichkeit eins. Möglichkeit zwei: Man klickt einfach auf „Teilen“. Schließlich geht es gegen die CDU, der ist ja alles zuzutrauen und die besitzt bestimmt so wenig Verstand und ohnehin so wenig Medienkompetenz, dass sie so einen Unfug nicht nur vertritt, sondern auch noch öffentlich bei Facebook reinschreibt. Oder? Variante zwei haben jedenfalls, wie man am Originalpost auf Google+ sieht, immerhin 50 Leute gewählt (teilweise über Re-Shares, die werden m. W. am Originalpost alle als Shares angezeigt). Während ich auf Facebook am Recherchieren war, wurde bei Kristian Köhntopp in den Kommentaren nicht nur ein Screenshot herumgereicht, sondern auch der Fake bereits von einem anderen Kommentator als solcher entlarvt. Ich habe dann mal entsprechende Kommentare an den Originalpost und alle öffentlichen Shares gehängt, damit die Unterstellungen nicht noch weitere Kreise ziehen.

Besondere Ironie: Unter denen 50 Nutzern, die offenbar auf den Fake hereingefallen sind, war auch Mario Sixtus. Ja, genau der Mario Sixtus, der sich vor kurzem in einer durchaus sehenswerten Folge des „Elektrischen Reporters“ das Thema „Medienkompetenz“ vornahm. Dabei wurde in der zweiten Hälfte des Videos in der Rubrik Uebermorgen.tv auch darüber spekuliert, ob die Struktur des „sozialen“ Internets irgendwann dazu führen wird, dass man nur noch Informationen erhält, die dem eigenen Weltbild entsprechen, und diese deswegen zunehmend unkritisch übernimmt.

Nun, offenbar ist es schon heute mit der Medienkompetenz vieler Menschen nicht so weit her, wenn es darum geht, die eigenen Vorurteile bestätigt zu bekommen. Aber immerhin ist der geteilte Beitrag auf Sixtus‘ Google-Plus-Profil inzwischen transparent korrigiert nicht mehr aufzufinden (Disclaimer: Ich habe den Thread bei Sixtus nie gesehen und kann daher nicht ausschließen, dass er einfach nicht öffentlich gepostet wurde und für bestimmte Kreise weiterhin vorhanden ist – sollte das so sein, nehme ich meine Kritik in puncto Transparenz gerne zurück).

Fazit: Ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, dass mich das unreflektierte Weiterverbreiten in diesem Fall wundert (nachdem letztens auf Twitter zahlreiche User den angeblichen Wahlkampfspot der CDU Berlin – der typische Politphrasen mit klassischen Rechtsaußen-Sprüchen und einem Zerrbild liberaler Wirtschaftspolitik vermischte – für echt hielten, wundert mich in der Hinsicht exakt gar nichts mehr). Aber ich finde es doch immer wieder erschreckend, welches Bild von Politik im Allgemeinen und der CDU im Besonderen einige Menschen haben müssen, dass bei ihnen nicht einmal bei so offensichtlichen Fakes die Alarmglocken schrillen. Oder wie egal ihnen die Wahrheit ist, solange es nur gegen den Lieblingsgegner geht.

Was lernen wir also daraus? Medienkompetenz ist nicht nur eine Sache des Könnens, sondern auch eine des Wollens. Und sie ist gerade in sozialen Netzwerken (wo sich auch haltlose Gerüchte in Windeseile verbreiten lassen) und eben auch dann, wenn eine Geschichte der eigenen Sicht der Dinge entspricht, dringend notwendig.

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Social Networking wird erwachsen: Die ersten Stunden mit Google+

Seit gestern früh darf ich dank der Einladung von Frederic auch auf dem neuen Social-Network-Spielplatz mitspielen: Bei Google+.

Man mag es nun schon vermessen finden, wenn ein Konkurrent – selbst wenn er Google heißt – meint, neu in einen Markt einsteigen zu müssen, der sich in den letzten Jahren mehr und mehr zum Quasi-Monopolisten Facebook hinentwickelt hat. Oder, anders ausgedrückt:

Google-Plus-Eintrag von Christian Heller (plomlompom): "Also ich glaub ja, mit diesem Dienst hat Google eine echte Chance, MySpace das Fürchten zu lehren."

(Quelle)

Auf den ersten Blick könnte man Google+ tatsächlich für einen Facebook-Klon halten, der „Gefällt mir“ durch „+1″ ersetzt und ein bisschen weniger blau gefärbt ist. So einfach ist es jedoch nicht.

Microblogging mit Kommentaren

Google+ zu eigen sind nicht nur die groß beworbenen Circles, Hangouts und Sparks. Es unterscheidet sich in einem (hier stimme ich Mario Sixtus zu) ganz zentralen Punkt von Facebook: Der Asymmetrie der Beziehungen. Man muss also nicht gegenseitig „befreundet“ sein, um die Beiträge von jemandem in seinem Stream zu sehen, sondern kann – ähnlich wie bei Twitter – jemandem folgen (im G+-Slang: Jemanden zu seinen „Kreisen“ hinzufügen), derjenige wird darüber benachrichtigt und kann dann selbst entscheiden, ob er seinerseits zurückfolgen will.

Screenshot: Facebook-Profil von Hannes GriepentrogDamit verbindet Google+ die Vorteile eines sozialen Netzwerks mit dem Microblogging, wie wir es von Twitter kennen. So habe ich beispielsweise den eben erwähnten Mario Sixtus „eingezirkelt“, weil ich mich für seine Meinungen interessiere (weswegen ich ihm auch bei Twitter folge und seinen Blog lese) ohne dass zwischen uns eine hinreichende Beziehung für eine Facebook-Freundschaft bestünde oder ich erwarten würde, dass er mir bei Twitter oder Google+ „zurückfolgt“. Somit eignet sich Google+ deutlich besser, wenn man nicht nur Belanglosigkeiten unter Bekannten austauschen, sondern Meinungen verbreiten und Diskussionen führen möchte. In Facebook bekommt man solche asymmetrischen Beziehungen nur auf dem Umweg über „Seiten“ (hat dann aber wieder das Problem, entscheiden zu müssen, welchen Inhalt man als Person und welchen als Seite teilt).

(Einschub: Symptomatisch für die gewollte Belanglosigkeit der Facebook-Kommunikation ist ja bereits die Frage „Was machst du gerade?“ im Eingabefeld für Statusupdates. Twitter macht hier mit „Was gibt’s neues?“ schon eher deutlich, dass der Austausch von Information erwartet wird. Bei Google+ heißt es bisher trocken „Einen neuen Beitrag erstellen“.)

Im Vergleich zu Twitter besteht dagegen der Vorteil, dass die 140-Zeichen-Grenze – die eine ernsthafte inhaltliche Auseinandersetzung nicht gerade erleichtert – entfällt und dass durch die Form „Status plus Kommentare“ (statt der dezentralen Option mit Tweet und verteilten Replies) Diskussionen auch für Dritte gut nachvollziehbar bleiben. Dagegen ist es bei Twitter – trotz Verbesserungen in den letzten Monaten – nach wie vor schwer, Diskussionsstränge auch nur annähernd zusammenzubekommen, wenn man nicht allen beteiligten Personen folgt.

Google+ hat also allein dadurch das Potenzial, im „ernsthafteren“ Bereich, in dem es nicht nur um den persönlichen Plausch, sondern um das Vertreten von Positionen und das Verbreiten von Meinungen geht, stärker Fuß zu fassen. Eben ein echtes Microblogging, das zentral auf einer Plattform abläuft, aber im Gegensatz zu Twitter auch Kommentare und Diskussionen erlaubt. Zumindest bisher wird der Aspekt der Seriosität auch durch das Fehlen von Spielen und „lustigen“ Apps unterstützt – hoffen wir, dass das noch ein bisschen so bleibt ;)

Circles

Screenshot: Übersicht "Kreise" bei Google+Was ist jetzt aber, wenn ich gar nicht möchte, dass jeder liest, was ich schreibe? Auch dafür ist Google+ hervorragend geeignet. Es unterstützt einerseits die Option, Beiträge bewusst als „öffentlich“ zu deklarieren und allen Interessierten zugänglich zu machen. Andererseits kann ich selbst niemandem folgen, ohne ihn in einen „Circle“ oder „Kreis“ einzuordnen. Diese entsprechen den Listen bei Facebook, welche dort aber eher ein Nischendasein führen (was wohl auch so bleiben wird, obwohl die Funktion bereits von den Facebook-Entwicklern geklaut über die Facebook-API implementiert wurde).

So entscheide ich bei Google+ ganz bewusst, wann ich etwas möglichst vielen Menschen schreiben will (so wie es ja auch bei Twitter der Standard ist), wann „meinen Kreisen“ (also den Menschen, denen ich folge – da sie es faktisch nur lesen, wenn sie mir zurückfolgen, entspricht das ungefähr der symmetrischen Struktur der Facebook-Freundschaften) oder eben nur bestimmten Kreisen (etwa dem Stammtisch, aber nicht den Arbeitskollegen). Das ist zwar bei Facebook über Listen auch möglich, aber nicht unbedingt übersichtlich.

Zudem werden die Kreise, in die man jemanden sortiert hat, auch direkt im Profil groß angezeigt. Da ich mich häufiger frage, woher ich jemanden genau kenne (mir aber die Listen bei der Zuordnung helfen würden) ist das für mich ein weiterer entscheidender Vorteil gegenüber Facebook.

Hangouts, Sparks & Co.

Die weiteren Funktionen habe ich bisher noch nicht vertieft benutzt. Bei Sparks handelt es sich um eine Art News- und Blogsuche zu bestimmten Themengebieten, bei Hangouts um einen Videochat für mehrere Personen. Und Huddle ist wohl auch irgend so ein Chat-Ding, das mit Android zusammenhängt.

Was noch fehlt

Screenshot: Ausschnitt von Google+ zur Auswahl eines Kreises für den StreamWas ich noch sehr vermisse, sind so etwas wie „Meta-Kreise“, also Kreise von Kreisen. Ich brauche einerseits die feinkörnigen kleinen „Kreise“, um Leute einordnen zu können und auch um beispielsweise auf einen Blick zu sehen, wie gerade die Stimmung unter den SPD-Anhängern ist, denen ich folge (der Anteil der verfolgten / befreundeten Parteiaktivisten ist bei mir in allen sozialen Netzwerken relativ hoch, daher habe ich auch entsprechende Listen angelegt). Andererseits wäre es geschickt, wenn ich sowohl für meine Stream als auch für die Empfänger mit einem Klick mehrere bestimmte Kreise auf einmal auswählen könnte, die mich besonders interessieren oder zu denen ich besonders häufig kommunizieren möchte.

Das zweite, was bisher noch kein großes Problem ist, aber mit zunehmender Nutzerzahl interessant werden wird, ist die Übersichtlichkeit im  Stream allgemein. Wenn ich nachmittags nach Hause komme und mich an den PC setze, überfliege ich bisher zuerst die „Hauptmeldungen“ bei Facebook, bevor ich mich den „Neuesten Meldungen“ zuwende. So habe ich schonmal die am häufigsten geteilten Zeitungsartikel und die wichtigsten Neuerungen in meinem Bekanntenkreis erfahren, bevor ich mich (je nach zur Verfügung stehender Zeit) mehr oder weniger intensiv dem Echtzeit-Stream zuwende. Das fehlt mir auch bei Twitter sehr. Listen / Kreise schaffen ein wenig Abhilfe, das Problem hat Facebook bisher aber besser gelöst.

Andere Meinungen

Ich habe mich auf einige wenige, für mich wichtige Aspekte von Google+ beschränkt. Daher ein paar Empfehlungen zum Weiterlesen:

schließlich ist bisher noch kein großes Social Network gestartet, das darauf hoffen konnte, über ein anderes Social Network von User zu User weiterempfohlen zu werden.

In diesem Sinne, wie gestern auch schon einer meiner Schüler sagte:

Facebook ist doch so 2010!

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