JU-Flyer im OB-Wahlkampf 2006

Flyer: Das hat der SPD-Kandidat geleistet: (Das Verbreiten der Überschrift dieser Postkarte wurde der Jungen Union durch eine einstweilige Verfügung untersagt)
Die ersten richtigen Flyer, die ich für die Junge Union Esslingen a. N. entworfen habe (damals noch mit Microsoft Publisher…) waren auch gleich die kontroversesten. Ziel war es, eine kleine Postkartenserie drucken zu lassen, die bewusst „angriffslustiger“ gestaltet war als die offiziellen Werbemittel des Kandidaten. Die erste Variante war zugegebenermaßen etwas plump, aber hatte wenigstens eine eindeutige Botschaft: Im Stil von Auto-Quartett-Karten wurden der von der CDU unterstützte Kandidat Rainer Rothfuß und – in Anspielung auf die SPD-Mitgliedschaft des Amtsinhabers – eine rote Socke gegenübergestellt.

Flyer: Du hast die Wahl: Rothfuß - Rote SockeLeider hielt sich die Begeisterung sowohl des Kandidaten als auch des damaligen CDU-Stadtverbandsvorsitzenden in Grenzen. Obwohl die ersten Reaktionen noch positiv gewesen waren, hatten beide wohl doch Bedenken, dass die Aktion eher zu negativer Publicity führen würde. So ließen wir die 1000 bereits gedruckten Postkarten mit dem ersten Motiv wieder einstampfen und sammelten neue Ideen.

Auch Variante zwei spielte naheliegender Weise auf den Nachnamen des Kandidaten an (was an dem Wahlkampf übrigens sehr anstrengend war: Die CDU ganz in rot und die SPD durfte in orange Wahlkampf machen…). Im Gegensatz zum ersten Motiv wurde jetzt der Gegenkandidat direkt benannt: Das Motto lautete „Rote Karte für Zieger – Rothfuß für Esslingen“. Das wurde von der CDU durchgewunken – weniger gut kam es freilich beim SPD-Kandidaten an (der aber auf die Junge Union ohnehin noch nie gut zu sprechen war).

JU-Mitglieder beim Verteilen der Flyer zur OB-Wahl, eine Woche vor der WahlNachdem wir den ersten Schwung an Karten vor dem Einkaufszentrum DAS ES! verteilt hatten, dauerte es daher auch nicht lange, bis uns im Auftrag des Oberbürgermeisters eine einstweilige Verfügung ins Haus flatterte. Immerhin: Von den insgesamt fünf Anträgen, durch die zwei der drei Postkarten verboten worden wären, ging vor Gericht nur ein einziger durch: Die Überschrift der dritten Postkarte, die den Wahrheitsgehalt von Ziegers Aussagen zu deutlich anzweifelte. Dagegen durfte die Junge Union (entgegen der weiteren Anträge auf einstweilige Verfügung) weiterhin behaupten,

  1. „Schuldenabbau und Rücklagenbildung wurden vom Gemeinderat gegen den Willen des Sozialdemokraten durchgesetzt“.
  2. Schulden der Stadt Esslingen seien „nur verschoben“ worden.
  3. Der Antragssteller habe „200000000 € Schulden versteckt“.
  4. „Die Schulden wurden nicht abgebaut, sondern einfach aus dem ‚offiziellen‘ Haushalt in die Eigenbetriebe der Stadt verschoben, um die Finanzlage schöner aussehen zu lassen“.

JU-Mitglieder beim Verteilen der Flyer zur OB-Wahl, am Tag vor der WahlEntsprechend standen wir also auch am Wochenende direkt vor der Wahl – die ganze Aktion hatte sich auf die letzten beiden Wochenenden beschränkt – mit unserem Infostand in der Bahnhofstraße, um immerhin noch zwei der drei Postkarten verteilen zu können. Geholfen hat es leider nichts – Rothfuß konnte zwar mit knapp 40 Prozent ein Ergebnis einfahren, das gegen einen Amtsinhaber wirklich respektabel ist. Leider kam dieser aber doch gleich im ersten Wahlgang über die 50-Prozent-Marke, sodass Esslingen wohl mindestens bis ins Jahr 2014 sozialdemokratisch regiert wird.

Was bleibt? Die Erinnerung an einen spannenden Wahlkampf, die Mahnung, künftig doch mal einen Juristen über unsere Verlautbarungen lesen zu lassen und erste Erfahrungen in der Gestaltung politischer Werbemittel.

Und hier gibts die drei Postkarten als PDF:

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Eine Antwort auf JU-Flyer im OB-Wahlkampf 2006

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